Die Tanz-Theater-Performance Stranger than … entstand 2016/17 im Rahmen des Modellprojekts CultureClouds an der Mittelschule Guardinistraße München, einem Projekt von Spielen in der Stadt e.V. in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum. Zwei Kulturpädagogen von Spielen in der Stadt haben sich mit den Schüler*innen der Ganztagsklasse 8g über ein Jahr in den Kursen Tanz und Theater mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandergesetzt.

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Die Klasse besteht aus 22 Schüler*innen aus 9 Nationalitäten (im Alter von 14-17 Jahren), teils aus sozialen Brennpunkten, teils selbst vor Krieg und Terror geflüchtet. Ein Schuljahr Zeit, um dem Nationalsozialismus mit Mitteln des Tanzes und Theaters, mit Körper und Sprache auf den Grund zu gehen. Die Gruppe besuchte Gedenkstätten, Ausstellungen, Theaterstücke, befragte Zeitzeugen, recherchierte in Archiven, schrieb und las Texte, tanzte, spielte und versuchte das Unfassbare zu einer körperlichen Erfahrung werden zu lassen – immer in intensivem inhaltlichen Austausch mit den Mitarbeitern des NS-Dokumentationszentrums.

Nach einer dreiwöchigen Startphase konnten die Schüler*innen wählen, ob sie das Thema theatral, tänzerisch oder durch Textarbeit bearbeiten wollten. Die Choreografien/Theaterszenen wurden allesamt von den Schüler*innen selbst erarbeitet. Die Jugendlichen brachten ihre Ideen in die Stückentwicklung ein und gestalteten Szenen selbstständig aus. Das Wissen um Einzelschicksale in der NS-Zeit, im Besonderen die Eindrücke aus dem Zeitzeugengespräch mit Ernst Grube hat das Interesse der Jugendlichen geweckt. Sie sprachen darüber und suchten Ausdrucksmöglichkeiten für das, was sie an dem Thema berührt und beschäftigt hat. Die Schüler*innen haben den für sie beeindruckendsten Informationen, Bewegungsqualitäten und Spielszenen zugeordnet. Wir ermöglichten körperliches Erfahren der Fragen, die sich die Schüler*innen stellten. Was ist Schikane?  Was bedeutet die Entmenschlichung durch Lager/Ghettoisierung? Wie verhalten sich junge Menschen auch heute in einer Ausgrenzungsgesellschaft? Was ist Empathie? Was ist Respekt? Wann muss ich einschreiten? Was kann ich tun? Wofür steh ich (auf)? Diese und weitere Fragen nach Ausgrenzung und Toleranz im Nationalsozialismus verhandelten die Schüler*innen in der Tanz-Theater-Performance Stranger than.

Das Projekt wurde mit drei öffentlichen Aufführungen am 24. und 25. Mai 2017 im NS-Dokumentationszentrum München erfolgreich abgeschlossen.

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Wir freuen uns sehr, dass das Projekt durch den Mixed up Preis 2017, einem Bundeswettbewerb für kulturelle Bildungspartnerschaften, ausgezeichnet wurde.

Die Kooperation zwischen Spielen in der Stadt e.V und den Ganztagsklassen der Mittelschule Guardinistraße besteht seit 4 Jahren. Culture Clouds ermöglicht hier allen Ganztagsschüler*innen (Klasse 5–9) die kontinuierliche Teilnahme an künstlerischen Projekten. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Kooperation insgesamt und der jeweiligen Teilprojekte entwickeln die Kooperationspartner unter Einbeziehung der Schüler*innen gemeinsam. Dazu finden Sie hier mehr.

Regie/Choreografie: Dorothee Janssen, Annette Geller
Begleitende Lehrkräfte: Malaika Beck, Bernhard Simbeck
Begleitung durch das NS-Dokumentationszentrum: Felicitas Raith, Dr. Thomas Rink

Hier geht es zur Postkarte StrangerThan.

Hier geht es zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (7.12.2017)

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